Gedanken eines Züchters

24.05.2016 // 15:05 Uhr

Ich habe die vergangenen Wochen Abstand von der Windspielszene auf Facebook genommen, da es mir im Herzen weh tut zu sehen, was mit dieser wunderbaren Rasse gerade passiert. Ich bin zwar keine Züchterin, kann die folgenden Worte aber nachvollziehen, weshalb ich sie nun auf meinem Blog veröffentliche. 

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Es brodelt in mir schon lange. Das Verlangen mal Luft abzulassen. Wo fängt man am besten an?

Am meisten juckt es mich in den Fingern, wenn ich von befreundeten Züchtern höre, mit was für einer Unart sie wegen Welpen angeschrieben werden, da gibt es keine nette Vorstellung mehr, wer man ist, woher man kommt etc, nein... Kurze Nachrichten wie "Hallo, ist noch eine Hündin frei? Preis?", oder "Der Welpe ist schon drei Monate alt, gibts den billiger?", "kann ich sofort einen Welpen haben?" ...und so geht das unendlich weiter. Verneint man diese unverschämten Anfragen, bekommt man zu hören "na dann kauf ich halt woanders, wenn Sie mein Geld nicht wollen".

Was erwarten diese Leute von einem guten und verantwortungsvollen Züchter?

Da wird einerseits in diversen Foren und Gruppen kluggeschissen, was ein guter Züchter alles zu erfüllen hat (wohlgemerkt meist von Leuten, die grad mal Neueinsteiger in der Rasse sind), beratschlagt und beraten was das Zeug hält, wie toll die Rasse doch ist und wie unkompliziert etc. etc., wenn Probleme auftauchen, ist dann meist der Züchter oder der unfähige Halter Schuld. Dass es aber oft einfach rassetypische und natürlich auch hausgemachte Probleme sind, die aber natürlich keiner wahrhaben möchte, das erwähnt niemand. Was für den einen niedlich und unproblematisch erscheint, ist für den anderen vielleicht durchaus auf Dauer ein nerviges Problem.

Warum denn immer alles schön reden? Ist es das, was wir für unsere Rasse wollen? Dass sie in die Fußstapfen von Mops und Co. tritt?

Leider sind wir auf dem besten Weg dahin, denn wenn ich eben verfolge, wie heutzutage Windspiele angepriesen werden und die Anzahl der Züchter in eine schwindelnde Höhe schießt, wird es mir übel und verdirbt mir fast den Spaß an den seit 20jahren, von mir gehaltenen kleinen Kobolden.

Die Tendenz, dass großartige Züchter (diese Auszeichnung verleihe ich an 5, vielleicht auch ein zwei mehr in Deutschland), nicht selten plötzlich auf ihren Welpen länger sitzen als Newcomer, finde ich sehr bedenklich.

Gute Züchter züchten nicht für das Vergnügen anderer, sondern für die Rasse!

Sie planen, selektieren, schlagen sich Nächte um die Ohren im Internet. Geben viel Geld aus für Gesundheit, Ausstellungen (denn zeigen muss man die Tiere, sonst wird das auch wieder falsch ausgelegt), Reisen zum richtigen Deckrüden, den man sich schon ewig einbildet... Oft muss die Familie darunter leiden, weil Urlaub meist nicht drin ist usw.

Das was sie in der Regel verkaufen ist das, was sie verkaufen müssen, denn leider ist es unmöglich alles zu behalten. Aus den geplanten Würfen wird das behalten, was am vielversprechensten ist für die Zucht (und auch hier gibt's für den Züchter keine Garantie, denn das zeigt sich erst in den Nachkommen), drum wird auch hin und wieder ein ganzer Wurf eine Zeitlang zurückbehalten, bis die Tendenzen sich klarer heraus spiegeln, oder auch mal ein Tier in Privathände gegeben, wenn sich herausstellt, dass es entweder nicht ins Rudel passt oder so gar nicht die Zuchtvorrausetzungen erfüllt. Auch diese Entscheidung ist manchmal notwendig und für den Züchter nicht einfach!

Die wenigsten Welpeninteressenten verstehen dies, haben inzwischen keinerlei Geduld mehr, suchen sich ihren Hund nicht nach dem Züchter aus, sondern nachdem, wo er entweder am günstigsten, am schnellsten und am unkompliziertesten zu erwerben ist. 

Die Liste der Erwartungen, die ein Welpenkäufer an die Züchter teils stellt ist eine unendliche... teils berechtigt, teils einfach nur utopisch (zB garantierte Gesundheit, Stubenreinheit, Showqualität, Zuchttauglichkeit etc. - Das sind Dinge, die man NICHT garantieren kann!). Was aber darf der Züchter an die zukünftigen Halter für Ansprüche stellen, wenn er seine Welpen heutzutage verkaufen möchte? Möglichst gar keine, hab ich oft das Gefühl! Denn man zahlt ja schließlich einen Haufen Geld.

Die guten Züchter, die ich in meinem Kopf habe, stellen aber Ansprüche an diese Welpenkäufer - einfach um dem kleinen Wesen eine möglichst gute Zukunft zu bieten, welche sie da auf die Welt gebracht haben. Klar ist auch das keine Garantie, aber zumindest ein Anfang. Denn wer Geduld zeigt und nicht beim Erstbesten kauft, weil der empfohlene oder vielleicht sogar vorher ausgewählte Züchter nicht schnell genug mit Nachschub daherkommt, wird auch bevorzugt in der Warteliste.

Ja... Die gibt es noch die Warteliste. Zu meiner Zeit war sie Gang und Gäbe: Wer eine Hündin haben wollte, musste teilweise bis zu 2 Jahren warten! Jaaaaa... 2 Jahre! Nicht 2 Wochen!

Ich muss ganz ehrlich sagen... Wer es noch nicht einmal fertig bringt, auf die Verbandsseite unter den Wurfmeldungen zu schauen, sich nicht die Mühe macht, vielleicht auch mal auf Ausstellungen zu fahren, um die Züchter dort erstmal auf unkompliziertesten Weg kennenzulernen, Wege scheut, Telefon scheut, die Etikette des schriftlichen Verkehrs nicht kennt ("Hallo, hast du noch Welpe?"), sich einfach der Facebook Gruppen bedient und hier nach dem ultimativen einfachen Weg sucht, sich ein Windspiel ins Haus zu holen... Sorry... Der würde bei mir niemals einen Hund bekommen und zum Glück bei einigen anderen auch nicht.

Windspiele sind sehr speziell und das sollten sie auch bleiben! Sie sind zu schade (wie alle anderen Rassen auch), um als Modeaccessoire oder Kindersatz zu enden, nur weil sie "noch" etwas Besonderes sind. Der Chihuahua und der Mops sind nicht mehr "hip" genug, hat ja jeder. Seid doch mal ehrlich mit euch selbst - wollt ihr wirklich so einen kleinen Pisser (diese Aussage bekam ich 1996 auf der Cacib in Nürnberg von einer renomierten Züchterin der Rasse und Richterin *lach*)? Einen zarten Hund, der sich vor größeren Hunde aufspielt, als wäre er so groß, wie das, was er sieht, und deshalb teils vor sich selbst geschützt werden muss, ohne ihn zu verhätscheln? Sie sind durch und durch kleine Hunde mit großem Charakter und passionierter Jäger, besonderen Bedürfnissen, besonderen Eigenschaften (auch negative, die große Konsequenz und Geduld an den Halters stellen) und natürlich auch rassebedingte Krankheiten, die verantwortungsvolle Züchter versuchen, realistisch, mit sehr viel Zeit und Wissen zu bekämpfen.

Wenn ihr euch trotzdem nicht abbringen lasst und euch die Rasse am Herzen liegt, dann nehmt euch meine Schimpfparade zu Herzen und denkt gründlich nach, bevor ihr gute Züchter kontaktiert, als hättet ihr nie Manieren gelernt, oder ihnen absagt (wenn überhaupt abgesagt wird!), weil es nicht schnell genug geht, obwohl ihr vorher ein Jahr Geduld hattet. Wählt mit Bedacht und habt Verständnis, dass ein Züchter viel von euch wissen möchte, denn er vertraut euch seinen Schatz an - auch wenn hier viel Geld über den Tisch geht. Ihr wollt nicht wissen, was am Ende des Jahres in der Bilanz des Züchters steht 

 

Hunde sind keine Ware, sondern Lebewesen!

 

Nicole Jacob

 

#gedanken


Kommentare

Martin Ibeler

26.05.2016 // 21:44 Uhr

Sehr gut geschrieben. Bin genau der gleichen Meinung.
Ich werde mich jedoch nicht aus der Windspielszene zurückziehen, denn schließlich geht es doch um unsere Spielchen. Rückzieher heißt Aufgabe. Das darf doch so nicht sein. Gerade wenn das Problem erkannt ist darf man sich doch nicht abwendenden. Das ist Flucht.
Das hilft der Rasse nicht weiter. Bessermachen ist angesagt. Warum wollt ihr da nicht dabeisein?

Eva Tiemann

25.05.2016 // 07:33 Uhr

Wunderbar geschrieben und alles gesagt! IChristian schließe mich all meinen Vorrednern an.

Dr. Jutta Baberg

24.05.2016 // 17:54 Uhr

Ein sehr guter Artikel, der es auf den Punkt bringt.
Menschen, die Hunde als Ware betrachten, sind keine, die Hunde halten sollten.
Hunde sind kein Ersatz für irgendetwas, sondern ganz spezielle, besondere Lebewesen, die als Familienmitglied aufgenommen, geliebt und artgerecht behandelt werden sollen. Und ein guter Züchter sucht mit Ruhe die richtigen Adoptiveltern für seine Liebsten aus. Nur das ist verantwortungsvoll und korrekt.

Sandra & Shiva

24.05.2016 // 16:38 Uhr

Super geschrieben! Genau so ist es. Ich hatte bisher immer nur Mischlinge, aber eigentlich nur deshalb, weil sich bei mir noch keine Rasse herauskristallisiert hat, die ich bevorzugen würde. Ich liebe meine Wundertüten. Wobei... vielleicht zieht ja doch mal ein Rassehündchen ein - auf das ich dann aber sehr gerne auch mal länger warten würde. Schließlich soll der kleine Knopf bei mir doch ein "furever" Home bekommen und wir zwei sollen gut zusammen passen. Dafür muss ich mich eben auch mal vom Züchter "durchleuchten" lassen. Ich finde das nur richtig und verantwortungsvoll.
Flauschige Grüße
Sandra & Shiva "Wundertüte" Wuschelmädchen

Doris Kleineberg

24.05.2016 // 16:32 Uhr

Klasse geschrieben ! Heute herrscht nur noch Konsumdenken und die Passion geht verloren!
Schade!

Sanne

24.05.2016 // 16:13 Uhr

Super.....auch ich habe mich aus der Windspielzene zurück gezogen, es geht schon viele Jahre nicht mehr um diese tolle Rasse eher darum sich mit diesem tollen Hund zuschmücken arme Tiere auf dieser Welt


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